Ab 1. Juli 2017 kann die Polizei gegen Fahrzeuge, die in Frankreich ohne Vignette unterwegs sind, ein Bußgeld verhängen und sie sogar stilllegen

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Über 250 europäische Städte haben bereits unterschiedliche Arten von Zufahrtsbeschränkungen für ihre Innenstädte eingeführt. Ein kurzer Lagebericht dieser Maßnahmen anlässlich der Einführung in Frankreich der obligatorischen Umweltplakette CRIT‘Air, mit der die Fahrzeuge entsprechend der Höhe ihres Schadstoffausstoßes eingeteilt werden. Wer ist betroffen? Welche Formalitäten muss ein Flottenmanager erledigen? Hier die Antworten auf die häufigsten Fragen.

Schadstoffvignette: welche Pflichten für die Transportunternehmen?

Flottenmanager aufgepasst! Glanz gleich, wo Ihre LKWs zugelassen sind: In Zukunft müssen sie mit einer Umweltplakette versehen sein, damit sie in bestimmten Zonen Frankreichs fahren dürfen. Andernfalls kann ein Bußgeld verhängt oder sogar der LKW stillgelegt werden! Hier eine Kurzvorstellung dieses Systems und anderer vergleichbarer Systeme in Europa.

Die Maßnahmen in Frankreich


> CRIT‘Air, was ist das?

CRIT’Air ist ein „Luftqualitätszertifikat“. Konkret handelt es sich um eine runde Plakette, die auf das Fahrzeug geklebt wird. Die Farbe ist je nach Schadstoffklasse des Fahrzeugs unterschiedlich. Für LKWs kann diese Vignette folgende Farben haben:

  • Grün (CRIT’Air 0) für „saubere“ Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb.
  • Violett (CRIT’Air 1) für aufladbare Hybridfahrzeuge, mit Erd- bzw. Autogas betriebene Fahrzeuge oder Fahrzeuge der Schadstoffklasse EURO 6 (Erstzulassung ab 1. Januar 2014).
  • Gelb (CRIT’Air 2) für Fahrzeuge der Schadstoffklasse EURO 5 ( Erstzulassung zwischen 1. Oktober 2009 und 31. Dezember 2013) oder EURO 6 (Erstzulassung ab 1. Januar 2014).
  • Orange (CRIT’Air 3) für Fahrzeuge der Schadstoffklassen EURO 3 und 4 (Erstzulassung zwischen 1. Oktober 2001 und 30. September 2009) oder EURO 5 (Erstzulassung zwischen 1. Oktober 2009 und 31. Dezember 2013).
  • DWeinrot (CRIT’Air 4) für Fahrzeuge der Schadstoffklasse EURO 4 (Erstzulassung zwischen 1. Oktober 2006 und 30. September 2009).
  • Grau (CRIT’Air 5) für Fahrzeuge der Schadstoffklasse EURO 3 (Erstzulassung zwischen 1. Oktober 2001 und 30. September 2006).

Anmerkung: Landwirtschafts- und Baumaschinen sind von dieser Vignette nicht betroffen.

Die verschiedenen Kategorien der Umweltplakette für Lastkraftwagen, Stadtbusse und Reisebusse in Frankreich (Quelle: www.certificat-air.gouv.fr).

Die verschiedenen Kategorien der Umweltplakette für Lastkraftwagen, Stadtbusse und Reisebusse in Frankreich (Quelle: www.certificat-air.gouv.fr).

> Weitere Einstufungstabellen finden Sie hier (Nutzfahrzeuge, Zweirder, Pkws).

> Who is affected?

Betroffen sind alle Fahrzeuge, einschließlich französische und ausländische LKWs, sobald sie in bestimmten französischen Städten (insbesondere Paris, Lyon, Grenoble) und in ihrem Ballungsräumen verkehren möchten, von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr. Der Besitz einer derartigen Umweltvignette ist somit von jetzt an Pflicht. Das war schon seit einigen Monaten der Fall, aber am 1. Juli 2017 ist eine wesentliche Änderung eingetreten: Während die Polizei bisher Zuwiderhandelnde nur aufklärte, kann sie jetzt Fahrzeuge, die ohne Vignette unterwegs sind, stilllegen und ein Bußgeld verhängen.

Für Unternehmen mit einem Fuhrpark mit weniger als 50 Fahrzeugen, die die Vignette in Frankreich bestellen, kostet sie kostet 4,18 € plus Portokosten ins Ausland. Bei mehr als 50 Fahrzeugen kann um einen Kostenvoranschlag geben werden, um einen Gruppentarif zu erhalten. Achtung, die Vignetten dürfen nur von der offiziellen Website erteilt werden.

> Wozu diese Vignette?

Diese Vignette ist jetzt unerlässlich, um in den Umweltzonen (ZCR – zones à circulation restreinte) zu verkehren. Bei Schadstoff-Spitzenwerten konnten die Fahrzeuge bisher entsprechend der letzten Ziffer ihres Nummernschildes, je nachdem ob sie gerade oder oder ungerade war, fahren. Das bezeichnet man als abwechselnden Verkehr. Diesmal bestimmt die Farbe der Vignette, ob die Fahrzeuge fahren dürfen oder nicht. Das bezeichnet man als differenzierten Verkehr.

Die Maßnahme wurde in Paris bereits zweimal umgesetzt: von 23. bis 25. Februar 2017 und am 22. Juni 2017. Im letzten Fall war sie von 5.30 Uhr bis Mitternacht in Kraft. Nur die Fahrzeuge der Klassen 0 bis 3 hatten eine Fahrerlaubnis. Damit wird der abwechselnde Verkehr jedoch nicht außer Kraft gesetzt. In Lyon zum Beispiel wurde er am 24. Januar 2017 mit dem differenzierten Verkehr kombiniert. Folge: Es durften alle Fahrzeuge mit geraden Nummern, aber nur die Fahrzeuge mit ungeraden Nummern der Klassen 0 bis 3 verkehren.

Kontrolle der CRIT‘Air Vignetten durch die Behörde für öffentliche Ordnung und Verkehr (DOPC - Direction de l'ordre public et de la circulation), Bildnachweis: MaxPPP.

Kontrolle der CRIT‘Air Vignetten durch die Behörde für öffentliche Ordnung und Verkehr (DOPC – Direction de l’ordre public et de la circulation), Bildnachweis: MaxPPP.

> Welche Strafen bei Missachtung?

Sollte ein Fahrer das Verbot missachten und an einem Tag fahren, an dem er nicht dazu berechtigt ist, kann für LKWs ein Bußgeld in Höhe von 135 Euro (reduzierter Satz 90 Euro) verhängt werden. Für Leicht-LKWs unter 3,5 Tonnen beträgt das Bußgeld 68 Euro (reduzierter Satz 45 Euro).

Achtung: für ausländische LKW-Fahrer kann das Bußgeld in allen anderen Ländern der Europäischen Union eingefordert werden. Eine Nichtbezahlung kann theoretisch mit einer Gefängnisstrafe gemäß der Verkehrsdelikte-Richtlinie 2011/82/EU vom 25. Oktober 2011 „zur Erleichterung des grenzüberschreitenden Austauschs von Informationen über die Straßenverkehrssicherheit gefährdende Verkehrsdelikte“ bestraft werden. 


Und in anderen Ländern Europas?

Für Europa ist die Luftverschmutzung ein wesentliches Anliegen, denn sie verursacht den Angaben der Europäischen Umweltagentur zufolge jedes Jahr den vorzeitigen Tod von knapp 500.000 Personen. Über 250 Städte und ihre Ballungsräume auf dem europäischen Kontinent begrenzen die Einfahrt in bestimmte Zonen, darunter London, Paris und bestimmte deutsche Städte. Die Vorgehensweisen und die betreffenden Umweltzonen sind von Fall zu Fall verschieden.

SCHLÜSSELINFOS255 Großstädte in Europa haben ein System zur Einschränkung oder Regulierung des Verkehrs eingeführt

Es kann sich um eine Citymaut wie in London handeln, wo die Einfahrt in das Stadtzentrum tagsüber seit 2003 11,50 Pfund (13,10 Euro) kostet. Die Experten sind von der Umwelteffizienz des Systems hinsichtlich keinesfalls überzeugt. Göteborg, Dublin, Stockholm und Mailand haben das gleiche System gewählt und laut der französischen Tageszeitung Le Monde gelingt es ihnen, den Verkehr um 15 bis 20 % zu senken.

Berlin bevorzugt seit 2010 eine obligatorische Feinstaubplakette, die den Fahrzeugen mit dem höchsten Schadstoffausstoß die Einfahrt in das Stadtzentrum untersagt. Bremen, Leipzig, Frankfurt, München und Ulm sind ebenfalls diesem Beispiel gefolgt, so dass es nunmehr in Deutschland 55 Umweltzonen gibt.

In Lissabon ist Fahrzeugen mit Baujahr vor 2000 während der Woche die Zufahrt zur Innenstadt verboten. Im gesamten Ballungsgebiet dürfen keine Fahrzeuge mit Baujahr vor 1996 verkehren. In Brüssel hat man sich bei Schadstoff-Spitzenwerten für den abwechselnden Verkehr entschieden. In Athen gilt diese Regelung permanent seit … 1982 – außer im Juli und August – und betrifft insbesondere LKWs über 2,2 Tonnen.

Anzumerken ist ebenfalls die originelle Initiative der Stadt Oslo, die Zuckerbrot und Peitsche kombiniert. In der norwegischen Hauptstadt gibt es zwar eine Innenstadtmaut, aber auch und vor allem bedeutende Maßnahmen zur Förderung des Elektroantriebs, mit der Möglichkeit, die Busspuren zu nutzen, kostenlos zu parken, eine Befreiung von der Innenstadtmaut zu erhalten. Wirkt das? 20 % der Neuzulassungen 2015 betrafen dort Elektroautos.

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